Südfrankreich

 

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Vorwort

Die inzwischen schon traditionelle Südfrankreichreise führte uns heuer sowohl an "altbekannte" Orte als auch in uns bislang unbekannte Gebiete.

Unsere Planung sah so aus: Anreise durch die Schweiz, um die eintönige Durchquerung der Poebene zu umgehen, erste Übernachtung gleich hinter der französischen Grenze, dann weiter nach Montélimar, wo es uns im Vorjahr so gut gefallen hat und am dritten Tag nach Florac, ebenfalls ein Ort, den wir in bester Erinnerung hatten.

Der weitere Verlauf sollte sich nach Lust und Wetterlage ergeben...


...los geht's

 

Tag 1: Samstag, 25. Mai 2002

Durch die Schweiz nach Annecy

Kurz-Info:

Start:
Innsbruck, 08:00 Uhr

Strecke: Landeck - Arlberg - Feldkirch - Sargans - Wädenswil - Luzern - Interlaken - Zweisimmen - Gstaad - Diablerets - Monthey - Abondance - Morzine - Cluses -

Ziel: Annecy, 19:45 Uhr

Dauer: 11:45

gefahrene km: 662

Tachostand: 34.722

Karte
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Der Wetterbericht war nicht berauschend, und uns ist klar, dass es uns irgendwo auf der Strecke einwässern würde.
Doch der Reihe nach:

AnnecyWir fahren bei angenehmen Temperaturen auf der A12 bis zum Arlbergtunnel, biegen dort jedoch von der Schnellstraße ab und nehmen die Passstraße. Dann geht es auf direktem Weg nach Feldkirch, wo wir die Grenze passieren, erst mal eine Rast einlegen und für gutes Geld eidgenössische Autobahnvignetten erwerben. Weiter geht's auf der Autobahn A13 bis Sargans, dann auf der A3 bis Wädenswil, und schließlich auf der A14 bis Luzern. Am Sarner See ist die nächste Rast fällig, und auf unsere Frage nach einer Kleinigkeit zu Essen empfiehlt uns die Bedienung "Fisch-Knusperli". Zusammen mit einer Cola und einer Apfelschorle kostet uns dieses Mahl satte CHF 46,00 - Willkommen in der Schweiz! Doch damit nicht genug: die bisherige Strecke haben wir niederschlagsfrei bewältigt, doch jetzt hängen dunkle Wolken drohend über uns. Und tatsächlich: am Brünigpass (1008m) ziehe ich mir - spät genug - die Regenkombi über, und bei Interlaken regnet es schließlich wie aus Eimern. Ich habe massive Probleme, auch nur irgend etwas zu erkennen, so stark setzt der Regen meinem Visier zu. Doch auf der Fahrt durch das Niedersimmental nach Gstaad beruhigt sich das Wetter Gottlob wieder soweit, dass wir bei nunmehr leichtem Regen wieder flotter vorwärts kommen. Über den Col du Pillon (1546m) gelangen wir nach Les Diablerets und fahren weiter nach Monthey, um kurz danach am Pas de Morgins (1371m) wieder in die EU einzureisen. Über Abondance gelangen wir auf den Col du Corbier (1230m), wo eine Kaffeepause eingelegt wird. Anschließend geht es über Morzine und Cluses auf schnellstem Weg nach Annecy, unserem ersten Tagesziel.

Im Hotel Allery finden wir ein passables Zimmer im 4. Stock (ohne Lift) und einen freundlichen Wirt, der uns seinen Autoabstellplatz in der Hoteleinfahrt für unsere Maschinen überlässt. Der Spaziergang durch das romantische Städtchen mit seinen zahlreichen Cafes und Restaurants sowie das ausgezeichnete Abendessen entschädigen uns vollends für die Strapazen der Anreise.
 

 
Tag 2: Sonntag, 26. Mai 2002

über den Galibier nach Montelimar

Kurz-Info:

Start:
Annecy, 09:30 Uhr

Strecke: Sevrier - Col de Leschaux (897m) - le Chatelard - Ecole - Col du Frêne (950m) - St. Pierre d'Albigny - St. Jean de Maurienne - Col du Telegraphe (1566m) - Tunnel de Galibier (2556m) - le Bourg d'Oisans - Col d'Ornon (1371m) - Valbonnais - La Mure - Mens - Clelles - Col de Menée (1402m) - Die - Crest -

Ziel: Montélimar, 18:30 Uhr

Dauer: 08:00

gefahrene km: 425

Tachostand: 35.147

Karte
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Kühl aber trocken präsentiert sich der Morgen, wir fahren entlang dem Lac d'Annecy bis Sevrier, biegen dort nach rechts ab und erklimmen ein schmales, kurvenreiches Sträßchen zum Col de Leschaux, wo sich ein dünn besiedeltes Hochtal öffnet mit fruchtbaren Almwiesen und grünen Gipfeln.

bei Ecole
Über Ecole gelangen wir zum Col du Fréne, von dem wir wieder auf einer herrlich gewundenen Straße nach St. Pierre d'Albigny abfahren, um eine Kaffeepause einzulegen. Hier im Tal ist es schon recht warm, und die Weiterfahrt nach St. Jean de Maurienne führt großteils durch Schatten spendende Platanenalleen. Zu unserer großen Überraschung ist der Col du Glandon, den wir in unserer Route eingeplant hatten, gesperrt, die viel höheren Pässe Col du Telegraphe und Col de Galibier jedoch sind offen. Diesem Umstand verdanken wir ein Highlight der Tour, denn die Auffahrt zum Tunnel de Galibier und die sich dort bietenden Aussichten sind vom Allerfeinsten. Nach der Abfahrt vom Galibier geht es weiter in Richtung Westen bis le Bourg d'Oisans und dann wieder südwärts bis la Mure und auf herrlichen Nebenstraßen über Clelles auf den Col de Menée und weiter über Die nach Crest, wo wir noch einmal eine Pause einlegen, ehe wir die paar Kilometer zu unserem Tagesziel Montélimar hinter uns bringen.

Hier finden wir im "Relais de l'Empereur" auf Anhieb die geeignete Unterkunft und freuen uns über das geräumige Zimmer und den nachts versperrten Hotelparkplatz. Als weniger erfreulich erweist sich der Umstand, dass in der Stadt "tote Hose" herrscht und wir - ganz im Gegensatz zum Vorjahr - nur mit Ach und Krach ein Restaurant finden, in dem wir dann allerdings vorzüglich speisen.

 

Tag 3: Montag, 27. Mai 2002

ins Zentralmassiv

Kurz-Info:

Start: Montélimar, 09:15 Uhr

Strecke: Privas - le Cheylard - Col de 4 Vics
- Vals le Bain - Col de Chavade - Pradelles - Mende -

Ziel: Florac, 15:25 Uhr

Dauer: 06:10

gefahrene km: 287

Tachostand: 35.434

Karte
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Heute steht wieder eine Tagestour auf dem Programm, deren Endpunkt wir aus dem Vorjahr kennen, nicht jedoch den Weg dorthin.

bei PrivasZuerst geht es im Rhonetal ca. 25 km nordwärts , dann nach Westen bis Privas und wieder weiter nach Norden bis le Cheylard. Hier in den Cevennen wechseln die Landschaftsbilder alle paar Kilometer. Anfangs sieht es aus wie im Luberon, dann fährt man durch Waldgebiete, über steile Passstraßen auf almähnliche Hochtäler und schließlich auf teils schnurgeraden Straßen über Hochebenen und durch dunkle Nadelwälder. Dazu spielt das Wetter etwas verrückt, Regenschauer wechseln mit sonnigen Abschnitten und Gewitterfronten am Horizont lassen die Landschaft düster, fast mystisch erscheinen. Nach kilometerlanger Fahrt durch unbesiedeltes Gebiet taucht plötzlich hinter der nächsten Biegung eine Ortschaft auf, und auf fast völlig verkehrsfreie Straßen folgt unvermittelt eine etwas höherwertige Fernverkehrsstraße mit Schwerverkehr, von dem man nicht weiß, wie er eigentlich in diese Gegend kommt. So zum Beispiel über den Col de Chavade, wo sich die Wasserscheide zwischen Atlantik und Mittelmeer befindet. Über Pradelles fahren wir nach Mende, und nur noch eine kurvenreiche Straße über den Col de Montmirat trennt uns von unserem Ziel, dem Städtchen Florac.

Hier ist es nass und kalt, und lediglich das wiederum hervorragende Abendessen in unserem Hotel "Gorges du Tarn" und ein letztes Bier in der Aussteigerbar des Ortes retten den Abend.
 

Tag 4: Dienstag, 28. Mai 2002

ab in den Süden!

Kurz-Info:

Start:
Florac, 09:50 Uhr

Strecke: Corniche des Cevennes
- le Pompidou - St. Jean du Gard - Lasalle - St. Hippolyte du Fort - Quissac -

Ziel: Nimes, 13:00 Uhr

Dauer: 03:10

gefahrene km: 133

Tachostand: 35.567

Karte
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Da der erste Blick aus dem Fenster keine Aussichten auf Wetterbesserung bietet, entschließen wir uns, auf schnellstem Wege in den - hoffentlich wärmeren - Süden zu reisen.

Nimes: Maison Carrée und Carrée d'ArtSüdlich von Florac biegen wir nach rechts ab und gelangen auf die Corniche des Cevennes, eine reizvolle Hochebene mit zahlreichen kleineren Pässen, herrlichen, verlassenen Straßen und Bergdörfern. Bei St. Jean du Gard biegen wir nach Süden ab und auf der abenteuerlichen, kurvenreichen, einspurigen Straße nach Lasalle verlieren meine Metzeler-Reifen wiederum einiges an Profil, aber meine TDM fühlt sich auf solchen Strecken in ihrem Element. Weniger lustig findet Garry solche Abschnitte, der erst auf den restlichen Kilometern bis St. Hippolyte seiner Pan European wieder die Sporen gibt. In einem Straßencafe erholen wir uns von der Hatz und beobachten die interessanten Typen, die hier ihren Vormittagsplausch halten. Über Quissac geht's anschließend recht flott nach Nimes, wo wir uns eventuell eine Übernachtungsmöglichkeit suchen möchten. Nachdem wir eine Runde durch den lebhaften Verkehr der Innenstadt gedreht haben, finden wir einen ruhigen Platz am Rande der Altstadt und das Hotel de Provence, das uns so gut gefällt, dass wir uns gleich für zwei Nächte einquartieren.

In der hoteleigenen Garage können wir unsere Maschinen sicher abstellen, und so machen wir uns nach einem wohltuenden Bierchen im Straßencafe am Eck auf, um die Stadt zu erkunden. Nimes verfügt über zahlreiche historische Bauwerke, das beeindruckendste davon ist aber zweifellos das Amphitheater, auch Arenen genannt, das Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus erbaut wurde und zu den größten Amphitheatern der gallorömischen Baukunst zählt. Von den obersten Stufen hat man einen herrlichen Rundblick auf die Stadt und das Umland. Nach diesem Kulturgenuss flanieren wir noch ein wenig durch die belebte Altstadt mit ihren zahlreichen Straßencafes und Restaurants, nehmen einen köstlichen Imbiss am Dom und planen für morgen eine Ausfahrt zu den Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung. Als wir am Abend - nachdem wir uns frisch gemacht haben - wieder in die selben Straßen und Gassen kommen, bietet sich uns jedoch ein völlig anderes Bild: die Rollbalken der meisten Cafes sind heruntergelassen und wir müssen lange suchen, bis wir schließlich ein China-Restaurant finden, in dem wir zu Abend essen.
 

Tag 5: Mittwoch, 29. Mai 2002

Tagestour in die Umgebung

Kurz-Info:

Start:
Nimes, 09:45 Uhr

Strecke: Uzès - Moussac - Cassagnoles - Anduze - Bambbousseraie de Prafrance - St. Jean du Gard - St. Etienne
Vallée Francaise - Plan de Fontmort - Col de Jalcreste (832m) - Col de Pendédis (666m) - Col de la Baraque (722m) - Alès - Ledignan - Crespian -

Ziel: Nimes, 17:15 Uhr

Dauer: 08:30

gefahrene km: 249

Tachostand: 35.816

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Unsere heutige Tour führt uns zuerst nach Uzés, ein nettes kleines Städtchen 25 km nördlich von Nimes, das auf einem Hügel erbaut ist und über eine imposante Burg und eine ebensolche Kirche verfügt. Nach einem Rundgang mit Kaffeepause geht die Reise weiter nach Westen, um bei Anduze den einzigen Bambuswald Europas, die Bambouseraie de Prafrance, zu besichtigen. Da es inzwischen recht heiß geworden ist, genießen wir den Spaziergang zwischen den Schatten spendenden Bäumen besonders.

UzesAnschließend fahren wir nach St. Jean du Gard und weiter in Richtung St. Germain de Calberte, da zahlreiche grüne Strecken auf meiner Michelin-Karte unsere Bikerherzen höher schlagen lassen. Kurz vor St. Germain biegen wir nach links ab, fahren über ein abenteuerliches Sträßchen nach Plan de Fontmort, um einige Kilometer weiter nördlich auf die N106, die Straße von Florac nach Ales, zu gelangen. In östlicher Richtung erreichen wir den Col de Jalcreste und biegen auf der Passhöhe gleich wieder nach rechts ein. Etwas südlich der Hauptstraße führt nämlich eine Straße über den Col de Pendédis zum Col de la Baraque, ehe beide Straßen bei Ales wieder aufeinander treffen. Der Rest der Strecke führt uns erst auf der N 110 bis Ledignan und dann auf der D 907 nach Nimes.

Am Abend landen wir nach längerer Suche schließlich in einem algerischen Restaurant, in dem wir nach anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Garry und der Bedienung auf Grund der erfolgreichen Intervention einer irischen Reiseleiterin schlussendlich hervorragend speisen.
 

Tag 6: Donnerstag, 30. Mai 2002

in die Seealpen

Kurz-Info:

Start:
Nimes, 09:20 Uhr

Strecke: Uzes
- Pont du Gard - Avignon - Pernes-les-Fontaines - St. Didier - Col de Murs (627m) - Apt - Forcalquier - Oraison - Bras d'Asse - Puimoisson - Moustiers-Ste.-Marie - Grand Canyon du Verdon -

Ziel: Castellane, 18:00 Uhr

Dauer: 08:40

gefahrene km: 286

Tachostand: 36.102

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Nachdem wir gefrühstückt und unser Gepäck auf den Motorrädern verstaut haben, fahren wir vorerst wieder auf dem selben Weg wie gestern in Richtung Uzes.

Pont du GardKurz vor der Stadt biegen wir aber in die D981 Richtung Remoulins ein, denn unser erstes Ziel ist der Pont du Gard, ein römischer Aquädukt, der in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Das imposante Bauwerk befindet sich inmitten einer reizvollen Gartenanlage mit Restaurants, Geschäften und Picknickplätzen und gehört zum Standardprogramm jeder Südfrankreichtour.
Nach der Besichtigung geht es weiter durch Avignon bis Pernes-les Fontaines und dann durch die zauberhafte Gorges Forét de Vénasque und über den Col de Murs nach Apt. Auf der N100 fahren wir dann bis Forcalquier und weiter bis Oraison, wo wir das Durance-Tal erreichen. Parallel zur Autobahn geht es nun östlich der Durance auf verkehrsarmen Nebenstraßen wieder in Richtung Süden, bis wir nach wenigen Kilometern in das Tal der Asse einbiegen und auf herrlichen Sträßchen zwischen Mohnblumen bis Bras d'Asse fahren. Von hier geht's nun wieder in südlicher Richtung auf der D953 bis Puimoisson und dann ostwärts nach Moustiers-Ste.-Marie, dem bekannten Ort am westlichen Ende der Verdon-Schlucht. Auf der D952 gewinnen wir schnell an Höhe und fahren nun nördlich der Schlucht mit einigen Fotopausen bis Castellane.

Hier tummeln sich eine Menge Motorradfahrer und sonstige Touristen, die das umfangreiche Sportangebot rund um die Verdon-Schlucht für allerlei Aktivitäten nützen. Trotzdem habe ich schon beim ersten Hotel Erfolg, und ehe Garry eintrifft, ist bereits ein Zimmer für die nächsten zwei Nächte gebucht. Das "Petite Auberge" am Stadtplatz erweist sich als Glücksgriff, denn auch die Küche kann sich durchaus sehen lassen. Und als Garry beim Abendessen auch noch mit unseren Tischnachbarn, einem jungen englischen Ehepaar, ins Plaudern kommt, rundet dies einen erlebnisreichen Tag perfekt ab.
 

Tag 7: Freitag, 31. Mai 2002

Pässe und Schluchten in den Seealpen

Kurz-Info:

Start:
Castellane, 10:15 Uhr

Strecke: Barrage de Castillone
- St.-Andre-les-Alpes - Colmars - Allos - Col d'Allos (2250m) - Barcelonnette - Col de la Cayolle (2326m) - Guillaumes - Col des Champs (2045m) - Colmars -

Ziel: Castellane, 17:00 Uhr

Dauer: 06:45

gefahrene km: 247

Tachostand: 36.349

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Nach dem Frühstück haben wir noch Zeit, ein wenig durch die Gassen Castellanes zu schlendern und entdecken dabei einiges Skurriles: ein Haus, aus dessen Fenster Stoffpuppen schauen oder einen Motorradfahrer, der auf dem Tank seiner Eigenbau-Harley einen Blumenstock zu seiner Angebeteten transportiert...

Le Villar d'AbasDie erste Herausforderung des Tages besteht für uns aber schon darin, unsere Maschinen rücklings aus der Garage zu schieben. Nachdem uns dies mit gegenseitiger Hilfe schließlich gelungen ist, verlassen wir die Stadt in Richtung Norden und fahren über St. André nach Colmars und auf der D908 über Allos auf einigen abenteuerlichen Kehren bis zum Col d'Allos, den wir vor zwei Jahren schon in der Gegenrichtung bezwungen haben. Nach der Abfahrt biegen wir kurz vor Barcelonnette scharf nach rechts ab, um nun den Col de la Cayolle in Angriff zu nehmen, ebenfalls ein "alter Bekannter", der sich heuer - im Gegensatz zum Vorjahr - absolut schneefrei präsentiert. Die Murmeltiere, die bei unserem Näher kommen von der  Straße flüchten, sind dementsprechend gut genährt.

In Guillaumes lassen wir uns in einem Straßencafe nieder und treffen nach kurzer Zeit auf Günter mit seinen Bikerkollegen Alex, Michi, Christoph und Walter, die von Mombarcaro angereist sind und uns heute zurück nach Castellane begleiten werden. Auf der gemeinsamen Rückfahrt biegen wir bei St.-Martin-d'Entraunes nach links ab und gelangen so auf den Col des Champs mit seinen schwarz-blauen Felsen. Durch dichtes Waldgebiet führt die Straße wieder hinunter nach Colmars, und nach einem Tankstopp fahren wir auf der schon bekannten Strecke zurück nach Castellane.

Auch Günter und seine Kollegen finden problemlos Zimmer im Nachbarhotel, und beim gemeinsamen Abendessen lassen wir den Tag ausklingen.
 

Tag 8: Samstag, 1. Juni 2002

an die Cote d'Azur und ins Piemont

Kurz-Info:

Start:
Castellane, 10:00 Uhr

Strecke: Grasse - Cannes - Menton - Sospel - Col du Pérus (654m) - Col de Brouis (879m) - Gorges de Saorge
- Gorges de Bergue - Tende - Tunnel de Tende (1279m) - Cuneo - Mondovi - Ceva -

Ziel: Mombarcaro, 18:30 Uhr

Dauer: 08:30

gefahrene km: 327

Tachostand: 36.676

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Was sich in den letzten Tagen schon angekündigt hat, wird heute zur Gewissheit: mein Hinterreifen ist fertig! Der griffige, raue Asphalt der französischen Straßen hat ihn vorzeitig altern lassen, und es liegt noch ein weiter Weg bis Innsbruck vor uns.

Mittagspause in GrasseAlso beschließen Garry und ich, in Richtung Cannes zu fahren, um eine Werkstätte zu finden, die eventuell einen passenden Reifen auf Lager hat. Auf der wunderschön angelegten Rue Napoleon fahren wir nach Grasse, wo ich ein kleines Schild, das auf eine Yamaha-Werkstätte hinweist, fast übersehe. Wir bleiben stehen, erklären dem Besitzer, dass ich neue Reifen benötige, doch der gute Mann scheint es gar nicht eilig zu haben, und es ist 11:30 Uhr und SAMSTAG!!! Die Gattin des Chefs wird herbeigerufen, sie spricht etwas deutsch, und als die guten Leute bemerken, dass wir Tiroler sind, geht plötzlich alles ganz einfach. Sie erzählen uns, dass sie schon seit vielen Jahren nach Innsbruck auf Urlaub fahren und hier Freunde haben. Die Chefin empfiehlt mir, einen Bridgestone BT 020 aufzuziehen, gibt uns die Adresse von "Massa Pneu" in Grasse, erklärt uns den Weg und kündigt unser Kommen auch gleich telefonisch an. Also fahren zu dieser Firma, wo man uns zwar schon erwartet, trotzdem aber erst mal Mittagspause bis 14:00 Uhr macht. Wir vertreiben uns die Wartezeit in einem Cafe gegenüber, Garry holt zwei Hamburger vom nahen McDonald's, wo es uns zu voll und zu laut war. Pünktlich um 14:00 Uhr öffnet Massa Pneu wieder die Tore, und 45 Minuten später fahre ich mit neuen Reifen auf die Autobahn in Richtung Cannes. Ich frage mich seither, ob ein Motorradfahrer in Innsbruck eine Chance hätte, an einem Samstagnachmittag zu neuen Reifen zu kommen!?

Derart von Sorgen befreit, fahren wir recht zügig auf der A8 bis Menton und dann nordwärts nach Sospel. Dabei erweist sich der BT020 als Superwahl, ich bin ganz begeistert und genieße die Fahrt über Col de Perus, Col de Brouis und schließlich Col de Tende in vollen Zügen. Über Cuneo und Mondovi fahren wir auf der Schnellstraße bis Ceva, von wo aus noch das letzte kurvenreiche Straßenstück bis Mombarcaro führt.

Dort treffen wir wieder auf Günters Truppe und genießen gemeinsam das üppige Menü und den ausgezeichneten Wein.
 

Tag 9: Sonntag, 2. Juni 2002

Poebene und Bergamasker Alpen

Kurz-Info:

Start:
Mombarcaro, 09:50 Uhr

Strecke: Barolo -
Alba - Asti - Casale Monferrato - Mortara - Vigévano - Milano - Como - Erba - Lecco - Valsassina - Olda - S. Giovanni Bianco - Clusone - Passo della Presolana (1297m) - Borno - Breno -  

Ziel: Prestine, 19:30 Uhr

Dauer: 09:40

gefahrene km: 444

Tachostand: 37.120

Karte
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Am Morgen verabschieden wir uns von den fünf Kollegen, die auf direktem Weg nach Innsbruck zurückfahren und spazieren durch den verschlafenen Ort, der auf einem Hügel hinter der Kirche mit einer besonderen Attraktivität aufwarten kann: einem ausrangierten FIAT-Düsenjäger.

Fiat-Jet in MombarcaroDann machen wir uns auf den Weg nach Norden. Auf verlassenen Sträßchen geht es erst mal bis Barolo, jenem kleinen Ort, dem der berühmte Rotwein seinen Namen verdankt. Hier findet gerade ein Oldtimer-Treffen statt, und der ganze Ort ist auf den Beinen. Weiter geht's über Asti, und dann endlos durch die Poebene, ehe wir bei Mailand endlich wieder so etwas wie Berge in der Ferne erblicken. In Lecco am Comosee nehmen wir einen Imbiss und brechen dann auf zur letzten Etappe des heutigen Tages. Bei starkem Gegenverkehr fahren wir nach Valsassino, dann nach rechts auf einer Straße, ähnlich der auf der italienischen Seite des Staller Sattel - nur ohne Einbahnregelung - zum Passo San Pietro nach Avolásio. Dann geht's hinunter durch die wunderschöne Enna-Schlucht ins Valle Brembana und gleich wieder hoch nach San Bartolomeo und runter nach Clusone. Hier scheint verkehrsmäßig gar nichts mehr zu gehen, an diesem Sonntagabend scheint die gesamte Lombardei mit dem Auto unterwegs zu sein. Doch irgendwie schaffen wir es doch noch auf den Passo della Presolana und dann über Dezzo, Borno, Breno nach Prestine in unser Stammhotel "Oasi Verde".

Diese letzte Etappe durch die Bergamasker Alpen, ein Gebiet, das bei uns so gut wie unbekannt ist, war sehr anstrengend und landschaftlich wunderschön zugleich.
 

Tag 10: Montag, 3. Juni 2002

Heimreise

Kurz-Info:

Start:
Prestine, 08:45 Uhr

Strecke: Passo di Croce Domini
(1892m) - Bagolino - Ponte Caffaro - Tione - Ponte Arche - Molveno - Mezzolombardo - Kaltern - Bozen - Penser Joch (2214m) - Sterzing - Brenner - 

Ziel: Innsbruck, 15:30 Uhr

Dauer: 06:45

gefahrene km: 311

Tachostand: 37.431

***

Gesamtstrecke: 3.371 km

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Schon gestern ist uns ein Straßenschild aufgefallen, "Passo di Croce Domini - Chiuso". Darauf angesprochen, erklärt uns Mario, der Wirt, dass man nur das Schild noch nicht weggeräumt habe, die Straße aber ohne Probleme zu befahren sei. Wir glauben ihm...

BagolinoUnd tatsächlich: noch nie sind wir auf einer derart sauberen Straße über den "Croce" gefahren. Lediglich ein paar vereinzelt werkelnde Straßenarbeiter begegnen uns, und kurz vor der Passhöhe gibt es dichten Nebel, der Schritttempo angeraten erscheinen lässt. Doch gleich hinter dem Scheitelpunkt kommt die Sonne heraus und einer genussvollen Abfahrt nach Bagolino steht nichts mehr im Wege. Nach einer Kaffeepause fahren wir ab nach Caffaro und auf altbekannten Wegen über Tione, Molveno, Mezzolombardo nach Kaltern, wo wir am See zu Mittag essen.

Anschließend möchte Garry seiner Pan noch einmal die Sporen geben und drängt deshalb darauf, über das Penser Joch heim zu fahren. Selbst die allerletzte Wegstrecke von Sterzing über die Brennerstraße nach Innsbruck bereitet uns noch ausgiebigen Fahrspaß.
 

***
 

siehe auch: Provence 2000, Südfrankreich 2001, Piemont/Seealpen 2003, Südfrankreich 2005

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© josef möltner, aktualisiert am Dienstag, 09. Oktober 2007