Meine Jungfernfahrt als Sozia am 7.9.2003
Immer wieder fragte mich
Josef, ob ich mir das schon gut überlegt hätte, er
konnte eigentlich nicht so ganz daran glauben, dass ich mich wirklich trauen
würde. Aber ich legte alle meine Befürchtungen, Ängste und Vorurteile einfach
ab und sagte mir „Probieren kann ich es ja – vielleicht einmal und dann nie
wieder – wer weiß – aber zumindest bin ich dann um eine Erfahrung reicher, wenn
wir lebend zurückkommen.“
Am nächsten Morgen , so gegen 9,15 Uhr
stand ich auf, trank in Ruhe meinen Kaffee, rauchte fünf Zigaretten und sah,
dass sich Josef bereits die Schiunterwäsche anzog. „O Gott, der will ja jetzt
schon fahren“ dachte ich mir, und ich bin ja noch gar nicht richtig wach.
Außerdem begann mein Herz wie wild zu klopfen.
„Augen zu und durch – jetzt gibt es kein Zurück mehr“ – so
begann ich denn auch mit dem Anziehen, und das erste Problem war schon da, der
Helm: ich wollte ihn verkehrt aufsetzen, und
dann war er so eng, dass mich meine Ohrringe schmerzten. Das Visier
brachte ich auch nicht auf, und ich glaubte, dass ich sogleich ersticken
müsste. Also wieder absetzen und nochmals versuchen. Diesmal gelang es, aber
ohne Spiegel kann ich ihn jetzt auch noch nicht unten schließen. Fertig
angezogen marschierten wir in Richtung Tiefgarage.
Da stand sie nun in voller Pracht – und da sollte ich nun
hinaufsteigen.
Josef hat mir hinten den Koffer montiert, so dass ich mich dann
bequem anlehnen konnte. Er startete die Maschine und deutete mir, dass ich mich
hinten draufsetzen sollte. Der Augenblick war gekommen: ich hob mein rechtes
Bein, hievte es über das Motorrad und schon saß ich auf meinem richtigen Platz.
Na Gott sei Dank, das war erst einmal gelungen – aber nun ging es wirklich los.
Wir fuhren aus der Tiefgarage und mussten noch zum Troppacher tanken fahren. Die ersten beiden Kurven bis
dorthin waren eigentlich gar nicht schlimm. Beim Tankstopp war nun schon die
erste kurze Pause und ich durfte bereits nach zwei Minuten wieder absteigen. Das
Handling mit dem Helm hatte ich auch noch nicht heraußen und sprach samt
geschlossenem Visier mit dem Tankwart.
Der Tank war voll, und nun gab es wirklich kein Entrinnen mehr.
Wir fuhren los, durch die Ampfererstrasse, Unterbergerstrasse, Bachlechnerstrasse bis zur Höttinger
Au, wo die Ampel auf rot war – neben uns stand ein PKW. Die Ampel wurde grün
und Josef startete voll durch. Ich klammerte mich an ihn, den Kopf nach unten,
die Augen geschlossen, der Puls im Hochfrequenzbereich. „Oh Gott, das halt ich
nicht aus“ – es passierte aber überhaupt nichts – ich machte die Augen wieder
auf und wir waren schon auf der Kranebitter Allee.
Allmählich begannen sich meine angespannten Muskeln (ich glaube,
es waren alle, die ich überhaupt besaß) zu lockern und ich wagte seitliche
Ausblicke in die Umgebung. Bei jeder Kurve dachte ich daran, dass ich mich
niemals aus der Kurve lehnen darf, und das ist eigentlich bei 60 km gar nicht
unangenehm. Inzwischen waren wir beim Gasthof Kranebitten
vorbei und ich traute meinen Augen nicht. Plötzlich stieg der Tacho auf 100 km und eine Kurve nach der
anderen kam daher. Panische Angst und ein flaues Gefühl im Magen begleiteten
mich. Aber was konnte ich tun – gar nichts – nur Aushalten. Die gemütliche
Durchfahrt durch Zirl hat mir da schon besser
gefallen.
Wir sind dann durch Telfs über das Mieminger Plateau bis zum Holzleitensattel gefahren, wo die
erste Rast eingelegt wurde. Wir machten ein Selbstauslöserfoto und gönnten uns einen
Capuccino mit mehreren Zigaretten. Die erste Ausfahrt bis hierher hat mir mehr
als gut gefallen aber die Bitte an Josef, in den Kurven doch nicht schneller
als 80 km zu fahren, vor allem wenn sie so schnell hintereinander kommen,
konnte ich mir einfach nicht verkneifen.
Weiter ging es dann
durchs Gurgeltag bis nach Imst, auf der Landstrasse
bis nach Landeck und dann noch bis St. Christoph am Arlberg. Der Rückweg
verlief dann wieder über Landeck, Bundesstrasse bis nach Innsbruck.
So nach und nach wurde ich mit dem „Beifahrgefühl“
vertraut und es hat keine Situation mehr gegeben, wo ich Angst gehabt hätte. Falls es einmal doch so weit kommt, behalte ich die Strategie
„Kopf nach unten, Augen zu“ bei und das funktioniert ganz gut. Insgesamt war es ein wunderschöner Ausflug, ein herrlicher Tag,
eine neue gemeinsame Erfahrung und ein fürchterlich schmerzendes Hinterteil
(der Sitz ist einfach zu hart für längere Fahrten).
Also dann, bis zum nächsten Mal!