Piemont - Seealpen
ein verlängertes Wochenende

alptours.at

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1. Tag: Donnerstag, 19. Juni 2003

Durch die Lombardei ins Piemont

Kurz-Info:

Start: Innsbruck, 08:25 Uhr

Strecke:
Bozen - Eppan - Mendelpass - Passo Tonale - Val di Camonica - Darfo - Endine Gaiano - Seriate - Crema - Lodi - Pavia - Casteggio - Asti - Alba 

Ziel: Mombarcaro, 20:15 Uhr

Dauer: 11:50

Tages-km: 619

Tachostand: 53.253


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Garry hat mit Günters Truppe eine Tour fürs verlängerte Fronleichnam-Wochenende vereinbart. Da die anderen schon am Mittwoch abgefahren sind und Garry an diesem Tag aber noch zu arbeiten hatte, hat er mich eingeladen, mit ihm am Donnerstag nachzureisen. Ich war nicht wirklich schwer dazu zu überreden, und Christian, der auf unserer gemeinsamen Furkelpass-Tour die Lust am Biken wieder gefunden hat, kommt auch gerne mit.

Bis Bozen nehmen wir erst mal die Autobahn, fahren dann über die Weinstraße bis Eppan und hoch zum Mendelpass. Hinter der Passhöhe wird eine Kaffeepause fällig, damit wir auf der anschließenden Fahrt durchs Val di Sole nicht einschlafen. Bei Cusiano biegen wir nach Süden ab, fahren über den Passo Tonale und weiter durchs altbekannte Val Camonica bis Darfo. Dort halten wir uns rechts und lassen den Iseosee im wahrsten Sinne des Wortes links liegen. Bei Endine Gaiano finden wir eine nette Bar, in deren Gastgarten wir unser Mittagessen einnehmen.

Bis Seriate, kurz vor Bergamo, bleiben wir auf der SS 42, ehe wir uns auf Regionalstraßen über Crema, Lodi und Pavia zur Autobahnanschlussstelle Casteggio durchhangeln. Dann werden auf der Autostrada Kilometer gemacht, denn die Fahrt durch die zahlreichen Ortschaften war ziemlich zeitaufwändig, und bis zu unserem Ziel ist es noch ein gutes Stück Weges. Bei Asti verlassen wir die Autobahn wieder und brettern über die Schnellstraße bis Alba, um dann das letzte Stück bis Mombarcaro mit seinen schmalen, kurvenreichen und - Gott sei Dank - verkehrsarmen Sträßchen noch einmal richtig zu genießen.

Günter und seine Freunde haben schon hart auf uns gewartet, denn als wir ankommen ist es höchste Zeit fürs Abendessen, das dann in gewohnter Weise vorzüglich ausfällt.
 

2. Tag: Freitag, 20. Juni 2003

In die Seealpen

Kurz-Info:

Start: Mombarcaro, 09:05 Uhr

Strecke:
Ceva - Mondovi - Cuneo - Borgo San Dalmazzo - Vinádio - Colle Lombardia - Isola 2000 - St. Etienne de Tinee - Col des Granges - Bonette - Col de Restefond - Jausiers - Col de Vars - Guillestre - Combe du Queyras - Col d'Izoard

Ziel: Briancon, 18:45 Uhr

Dauer: 09:40

Tages-km: 314

Tachostand: 53.567


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Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns alle gemeinsam auf den Weg in Richtung Seealpen.

Zum Aufwärmen geht's über Nebenstraßen bis Ceva, dann brettern wir in einem Höllentempo weiter über Mondovi und Cuneo nach Borgo San Dalmazzo, wo eine Rast fällig wird. Garry, auf den wir gestern an so mancher Weggabelung lange warten mussten, ist heute immer ganz vorne dabei. Wir stärken uns mit Capuccino und Panini und nehmen anschließend die Straße durchs Valle Stura unter die Räder. Kurz hinter Vinádo wartet die Gruppe zusammen, denn hier beginnt die Auffahrt zum Colle Lombardia, dem Grenzpass zwischen Italien und Frankreich. Auf einem abenteuerlich schmalen, gewundenen Sträßchen fährt man in ein verlassenes Bergtal ein, um weiter taleinwärts nach links abzubiegen und die letzten Kehren zur Passhöhe zu erklimmen. Dort öffnet sich dann ein herrlicher Blick auf die Gipfel der Seealpen und einige verfallene Befestigungsanlagen. Eine ausgiebige Rauch- und Fotopause beendet vorerst unsere gemeinsame Tour. Während Günter, Christoph und Walter sowie Andrea, Wolfgang und Robert weiter nach Süden vorstoßen wollen, werden Christian, Garry und ich nach Norden fahren.

Nach der Abfahrt nach Isola trennen sich also unsere Wege, wir drei fahren auf der Route des Grandes Alpes zum mit 2.802m höchsten Passübergang der Alpen, der Bonette. Ist schon der kurvenreiche Anstieg von St. Etienne de Tinee über den Col des Granges ein Erlebnis, so begeistert uns die Umrundung der Cime de la Bonette restlos. Ich bin so gefesselt von den herrlichen Ausblicken, dass ich auf der - Gott sei Dank - als Einbahn geführten Straße unversehens mit dem Motorrad die Schneewechte am linken Straßenrand touchiere. Am "aussichtsreichsten" Punkt der Rundstraße tummeln sich jede Menge Radfahrer, Biker und Autotouristen, so dass es mir nur schwer gelingt, den Gedenkstein ohne dass jemand davor steht, zu fotografieren. Die Abfahrt über den Col de Restefond führt uns in das verschlafene Städtchen Jausiers , wo wir eine ausgedehnte Pause einlegen. Dann wird aufgetankt, denn die nächsten beiden Pässe warten schon darauf, von uns bezwungen zu werden.

Zuerst nehmen wir einen alten Bekannten in Angriff, den Col de Vars, auf dessen Scheitelpunkt das obligate Passfoto geschossen wird. Der Endpunkt der Abfahrt ist Guillestre, wo wir uns wieder nach Nordosten richten und 17 km durch die wildromantische Combe de Queyras fahren, um dann nach Norden abzubiegen, zur Auffahrt auf den Col d'Izoard. Diesen Pass habe ich bei unserer ersten Südfrankreichtour in umgekehrter Richtung und bei Nebel befahren. Heute jedoch herrscht wunderbares Sommerwetter, was die Fahrt zum echten Erlebnis macht. An einem Aussichtspunkt halten wir für ein paar Fotos, und dann geht's die letzten Kehren zur Passhöhe hinauf. Hier heroben herrschen völlig andere Wetterverhältnissse: es bläst eine derart steife Brise, dass ich fast Angst habe, das Motorrad könnte umfallen. In aller Eile werden ein paar Fotos geschossen und der unwirtliche Platz verlassen. Reichlich Fahrspaß bieten dann noch die restlichen 36 km bis Briancon, wo wir zielsicher unsere Stammbleibe, das Hotel "Mont Brison" ansteuern und auch problemlos zwei Zimmer bekommen.

Bei einem gemütlichen Bierchen lassen wir den ereignisreichen Tag noch einmal Revue passieren und beim anschließenden Abendessen in einem guten Restaurant ausklingen.
 

3. Tag: Samstag, 21. Juni 2003

Durchs Piemont in die Bergamasker Alpen

Kurz-Info:

Start: Briancon, 10:10 Uhr

Strecke: Mont Genevre - Cesana Torinese - Sestriere - Pinerolo - Turin - Novara - Bergamo - Ponte San Pietro - San Pellegrino Dossena - Ponte Nossa - Clusone - Passo della Presolana - Dezzo - Borno - Breno

Ziel: Prestine, 19:30 Uhr

Dauer: 10:20

Tages-km: 460

Tachostand: 54.027


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Heute Abend wollen wir wieder mit Günter, Walter und Christoph in Prestine zusammentreffen. Wir satteln also unsere Mopeds, machen aber im Zentrum von Briancon noch ein mal Halt, da Christian unbedingt ein Mitbringsel kaufen muss.

Aber dann geht's ab auf den Mont Genevre. Die Auffahrt auf den Grenzübergang gestaltet sich aufgrund zahlreicher Baustellen eher anstrengend, auch auf der italienischen Seite sieht es nicht viel besser aus. Bei Cesena Torinese fahren wir diesmal nicht geradeaus weiter, sondern biegen nach rechts ins Valle del Chisone ab, um auf einer herrlich angelegten Straße nach Sestriere zu gelangen. Dieser bekannte Wintersportort strotzt nur so vor architektonischen Stilblüten, aber eine Rauch- und Fotopause ist er trotzdem - oder gerade deswegen - allemal wert. Weiter geht's durch das romantische Tal bis Pinerolo, einer Kleinstadt im Einzugsgebiet von Turin. Hier essen wir eine Kleinigkeit in einem Straßencafe und nehmen anschließend die Schnellstraße nach Turin, um dann auf schnellstem Weg auf der A4 die Strecke ins Oberitalienische Seengebiet zu überwinden. Die nächste Pause wird auf einer Autobahnraststation nahe Novara eingelegt und dient hauptsächlich der Flüssigkeitsaufnahme, denn die Temperaturen haben sich - wie ich später auf einem Überkopfwegweiser bei Mailand ablese - um die 35° C eingependelt! Das hat auch zur Folge, dass beim Öffnen des Visiers anstatt kühlendem Fahrtwind nur heiße Luft ins Helminnere dringt.

Kurz vor Bergamo verlassen wir die Autobahn und fahren über Ponte San Pietro auf der sehr verkehrsreichen Straße durchs Valle Brembana bis San Pellegrino. In dem für sein Mineralwasser bekannten Ort legen wir wieder eine Rast ein. Ab jetzt sollte es wieder gemütlicher vonstatten gehen, denn auf der Straße über Dossena, Valpiana und San Bartolomeo nach Ponte Nossa gibt's Kurvenspass ohne Ende und kaum Verkehr. Hektisch wird's erst wieder rund um Clusone. Hier hat Garry mächtig Schwein, als ihn ein Linienbus beim Ausfahren aus einer Haltestelle übersieht und leicht streift, aber Gottlob nicht zu Sturz bringt.
Das hat ihn derart in Rage gebracht, dass er beim nächsten Stopp seinem Ärger in einem Wutanfall lauthals Luft macht und davonbraust. Auf der teilweise neu asphaltierten Straße über den Passo della Presolana und Dezzo fahren wir nach Breno und lassen auf den Kehren der letzten Kilometer bis Prestine noch einmal richtig die Sau raus.

Müde und geschafft treffen wir im Hotel Oasiverde auf Günter, Walter und Christoph, die gestern noch nach Castellane gefahren sind und dadurch heute eine Anfahrt von ca. 700km zu bewältigen hatten. Dem entsprechend viel haben wir uns beim gemeinsamen - wie immer in Mario's Hotel - hervorragenden Abendessen zu erzählen.
 

4. Tag: Sonntag, 22. Juni 2003

Abstecher in die Schweiz

Kurz-Info:

Start: Prestine, 09:45 Uhr

Strecke: Breno - Edolo - Ponte di Legno - Passo di Gavia - Bormio - Umbrailpass - Sta. Maria - Müstair - Glurns - Reschenpass - Landeck - Imst

Ziel: Innsbruck, 16:30 Uhr

Dauer: 06:45

Tages-km: 296

Tachostand: 54.323


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Von den möglichen Routen nach Innsbruck kennen wir eigentlich schon alle, für heute haben wir uns die zweifellos herausforderndste, nämlich jene über den Gaviapass vorgenommen.

Durchs Val Camonica geht's zuerst bei viel Verkehr bis Edolo, dann recht flott weiter bis Ponte di Legno. Nach der ersten Kehre der Tonale-Auffahrt biegen wir links ab und fahren über Pezzo die schmale Straße hoch, die mit bis zu 16 % Steigung zum Gaviapass führt. An diesem wolkenlosen Sommertag bieten sich herrliche Ausblicke entlang der Strecke. Auf der Passhöhe ist wieder die Hölle los, Hunderte Biker, Radfahrer und Autotouristen, darunter auch einige Wohnmobile(!) tummeln sich hier. Die Abfahrt nach Bormio wirkt entspannend, ehe der nächste Anstieg zum Stilfser Joch beginnt. Hier geht's erst richtig rund, denn ganze Horden meist italienischer Biker jagen bergan, und an einer Baustellenampel mitten in einem engen Tunnel herrscht ein infernaler Lärm, verursacht durch die zahlreichen Ducatis und anderen Höllenmaschinen, die ungeduldig auf die nächste Grünphase warten. An der Gabelung zwischen Stilfser Joch und Umbrailpass warten Garry und ich lange vergeblich auf Christian, der vermutlich mit den anderen, anstatt hier auf uns zu warten, weiter übers Stilfser Joch gefahren ist. Doch als wir über den Umbrailpass - bei nunmehr erheblich weniger Verkehr - ins Münstertal abfahren, treffen wir ihn wieder und setzen unsere Fahrt bis Glurns fort, wo wir in einem schattigen Gastgarten unsere Mittagsrast halten.

Auf der Weiterfahrt halten wir noch einmal am Reschenpass an, um zu tanken und fahren dann auf schnellstem Weg durch das Oberinntal nach Hause.

Es waren vier turbulente Tage, in denen wir auf insgesamt nicht ganz 1700 teils sehr anstrengenden Kilometern doch auch sehr viel Spaß hatten.

***
 

siehe auch: Provence 2000, Südfrankreich 2001, Südfrankreich 2002, Südfrankreich 2005

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© josef möltner, aktualisiert am Dienstag, 09. Oktober 2007